Regest
Warnung wegen gefährlichen Steinwurfes aus der Umgebung Malaspinas auf steirischen Adeligen, die zur Nuntiatur gehörigen Leute und Diener in besserer Zucht als bisher zu halten.
Archiv
Graz LA, Landschaftliches Archiv, Reformation 75, Konzept.
Brieftext
Ad Rhomani pontificis nuncium Malamspinam.1Wir geben dem herr zuvernemen, das an iezo di herrn unnd lanntleut einer Ersamen La(ntschafft) unvermeidenlichen notturfft nach bei 262einander gewesen, 2ist inen neben andern auch dises fürkhomen, das mer unruebig gsindl und diener inmassen war der zeit auß beschehen und eine Ersame La(ntschafft) selbs solches Irer Für(stlichen) Dur(chlaucht) gehorsamist angebracht, allerlai mutwillige hanndl thuet anfahen, 3wie dan vor wenig tagen einem lantman dieses landes 4ein gefarlicher wurf mit einem stain zugemessen worden und do derselbig recht angangen und es der almechtig gott nicht sonderlich verhuetet, etwa ein anderes und gefarlichers darauß entstanden, sonderlich aniezo bei des gemeinen mans schwierigkheit ein solches unglickh sich gar balld zugetragen hette, das auß einem geringen ein beschwarlicher tumult entstannden, 5welches wir Irer F(ürstlichen) D(urchlaucht) unserm genedigsten herrn und l(andes)fürsten unsern schuldigen pflichten nach an iezo abermals darumben auch gehorsamist erwidert haben, auf das Sie gnädig wahrnemmen solle, woher die ursachen allerlai unrats sich erheben und begeben. 6
Dieweil dan die herrn und lanndtleuth befunden, das solcher Eurer leutt muetwillige handlung in die lenng nichts guetts anrichten und etwan eine solches verursachen, welches Irer Für(stlichen) Dur(chlaucht) und derselben gehorsamisten la(ntschafft) in andern beschwarlichen handlungen und ungelegenheiten gedeien mechten, auch uns deswegen auferlegt, Euch hiemit guetlich zuverstehen, unns zu allem iberfluß zu warnnen, das Ir euer leut unnd diener besser in zucht alls bisherr beschehen, erhalten wellet, auch den iezigen fäler zu billicher und offentlicher wort andern zum exempel darstellt, auf das nit hernach auß einem cleinen, weil hievor durch euere diener 263auch allerlei unzucht und ungebühr wie gemelt gebraucht worden, ein grössers und beschwarlichers ervolge.
Welches wir für unsere personen nit gern sehen und euch herr auß bevelch der herrn und lantleuth hiemit warnungs weiß unangezeigter nicht khünen lassen, uns alle dem almechtigen bevelhennd7. . .
Fußnoten
- 1 Vgl. unten Nr. 171, Anm. 8.
- 2 Der Landesverweser Sigmund Friedrich von Herberstein hat für den 16. Mai eine große Zahl Adeliger wegen der Verfolgung der Bürger und des Einschleichens welscher Landsknechte zu Beratungen nach Graz eingeladen (Loserth, FRA II/50, S. 540, Anm. 1).
- 3 Es gingen damals beunruhigende Gerüchte um, daß allerlei welsches Gesindel sich herumtreibe und daß 1500 Papisten in- und außerhalb von Graz bereit seien, auf den ersten Schuß hin das Landhaus, die Stiftskirche und das Münzhaus zu überfallen (Loserth, FRA II/50, S. 537).
- 4 David von Lengheim (Graz LA, Landschaftliches Archiv, Reformation 75).
- 5 Die Verordneten hielten den Zwischenfall für so wichtig, daß sie die Stände Kärntens und Krains darüber informierten (Loserth, FRA II/50, S. 542).
- 6 Zwischen Erzherzog Karl und den Verordneten entstand darüber ein Schriftwechsel, der am 2. Juni 1584 mit der landesfürstlichen Resolution beendet wurde, daß der Täter nicht zu bestrafen sei, weil der Steinwurf nicht vorsätzlich erfolgte (Graz LA, Landschaftliches Archiv, Reformation 75).
- 7 Anfangs 1581 wurde aus dem Lengheim-Haus in Graz ein schwerer Stein auf Malaspina geworfen (Loserth, FRA II/50, S. 193).